Kfz-Innung Bielefeld: Eine Geschichte ständigen Fortschritts

Am 15.10.1934 trafen sich die Mitglieder der Kfz-Innung Bielefeld zu ihrer ersten Innungsversammlung. Zu ihrem Obermeister wählten Sie Hans Wotschak. In den ersten Jahrzehnten der Motorisierung des Verkehrs war die Instandsetzung und Pflege von Kraftfahrzeugen noch eine zusätzliche Aufgabe in Mechaniker-, Maschinenbau-, Schlosser- und Schmiedebetrieben gewesen. Die rasch zunehmende Zahl von Fahrzeugen machte aber eine eigene Berufsgruppe notwendig. Zunächst wurde die Fachgruppe „Kraftfahrzeugmechaniker“ innerhalb der Mechaniker-Innung Bielefeld gegründet. Ein Berufsbild des Kfz-Handwerks wurde erstellt und eine Prüfungsordnung erarbeitet, um so die Voraussetzungen für die Fortbildung der vorhandenen Fachleute zu Meistern des Kfz-Handwerks zu schaffen. 1929 wurde die Fachschule für Motoren- und Fahrzeugmechaniker bei der Meisterschule für das Mechanikerhandwerk in Bielefeld gegründet.

Um eine bessere Ausbildung des Nachwuchses zu ermöglichen, wurden Mitte der 30er Jahre Räume in dem Geschäftshaus Bahnhofstraße/Ecke Stresemannstraße gemietet. Hier erhielten die Lehrlinge einen zusätzlichen Fachunterricht. Heute findet die überbetriebliche Schulung im modern ausgestatteten Handwerksbildungszentrum Brackwede, Fachbereich Kfz, statt.

Im Februar 1946 wurde Theodor Erdmann zum Obermeister gewählt. In der Nachkriegszeit fehlten vielfach Ersatzteile. Oft mußten sie selbst angefertigt werden. Mitte der 50er Jahre begann dann eine wahre „Motorisierungswelle“. In der Zeit von 1956 bis 1966 war die Zahl der Fahrzeuge um das 10-fache gestiegen. 1959 waren in den 123 Kfz-Betrieben 802 Mitarbeiter beschäftigt. 1966 waren es in 151 Mitgliedsbetrieben bereits 1.280 Gesellen und Hilfskräfte. Doch nicht nur der Personalbestand wurde aufgestockt, auch das handwerkliche Inventar, Werkzeuge, Maschinen und Gerätschaften wurden modernisiert, um die wachsende Zahl von Aufträgen bewältigen zu können. Es war eine wirtschaftliche Blütezeit des Kfz-Handwerks.

Auf Theodor Erdmann folgte Erhard Moormann als Obermeister und späterer Ehrenobermeister. Mit Herbert Schröder an ihrer Spitze bewältigte die Innung die ereignisreichen 70er Jahre. Die Energiekrise von 1973 und in der Folge die massive Verteuerung des Kraftstoffes, die Sonntagsfahrverbote, die Geschwindigkeitsbegrenzung und die Hochzinspolitik machten den Betrieben des Kfz-Gewerbes stark zu schaffen. Auch war das Ansehen des Autos im Wandel begriffen. Deutschlands liebstes Kind wurde mehr und mehr als ein Transport- und Verkehrsmittel eingestuft und verlor damit das Image als Symbol des Wohlstandes. 1972 richtete die Innung eine Kfz-Schiedsstelle ein, die bis heute fortbesteht. 1977 wurde das Handwerksbildungszentrum (HBZ) Brackwede eingeweiht.

Als Nachfolger von Herbert Schröder, der das Amt des Obermeisters von 1967 bis 1976 wahrnahm, führte Helmut Schäfer die Innung in die 80er Jahre. Ihm folgten Martin Ließ bis 1993, danach folgte wieder Herbert Schröder bis 1997. Seit 1997 steht Rüdiger Schlomm an der Spitze der Innung.

In den letzten Jahren und Jahrzehnten lagen die Schwerpunkte bei der Weiterentwicklung der Fahrzeuge im Bereich Sicherheit und Umweltschutz. Vom Airbag über Antiblockiersysteme bis hin zu Bordcomputern bedurfte es nur relativ kurze Zeit. Kat und Diesel-Rußpartikelfilter sind heute ein absolutes Muß. Lichttests und Abgasuntersuchungen gehören seit langem zum Serviceangebot von Kfz-Werkstätten. Und die Entwicklung geht unaufhaltsam weiter, beispielsweise zum Hybrid- und Elektroauto.

Entsprechend hat sich das Berufsbild im Kfz-Gewerbe stark gewandelt und wird sich weiterhin den Neuerungen anpassen müssen. Das Fort- und Weiterbildungsangebot des HBZ Brackwede ist entsprechend umfangreich. Hier werden Lehrlinge, Gesellen und Meister mit neuester Technik und Technologie im Kfz-Bereich vertraut gemacht. Die Kfz-Innung Bielefeld legt hierauf auch in Zukunft großen Wert.